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 "Gespräche am Stein"

in Hamburg im Rahmen des Katholikentages

In Hamburg stand der Stein während der gesamten Dauer des Katholikentages am Eingang des Geistlichen Zentrums. Unter dem Stichwort "Gespräche am Stein" fanden zahlreiche Begegnungen am Stein statt.

Unter ihnen gab es vier sogenannte "Gespräche am Stein" mit Frauen aus dem Bereich von Kirche, Kunst und Gesellschaft; die Gesprächspartnerinnen waren:

  • Bärbel Wartenberg-Potter
    (Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland)
  • Petra Heilig (Geschäftsführerin für die Weltgebetstagsarbeit in Deutschland)
  • Zuzana Hlinakova (Bildhauerin) und
  • Sumaya Farhat-Naser (Palästinenische Direktorin des Projektes"Jerusalem Link").

Von dem Gespräch am Stein, das ich mit Sumaya Farhat-Naser geführt habe, möchte ich im Folgenden einige Gedanken mitteilen:

Frage:
Der Rollstein, der ein Jahr lang durch die deutschen Diözesen wandert, kommt aus der Region, in der Steine eine besondere oft auch bedrohliche Rolle bis heute spielen. Welche Gedanken und Erinnerungen kommen dir in diesem Zusammenhang?

Sumaya Farhat-Naser:
Bei uns im Arabischen gibt es ein Sprichwort "Wer einen Stein aus dem Weg räumt, dem öffnet Gott eine Tür." In diesem Sinne gibt es in meiner Region viele Steine des Missverständnisses, der Abneigung, auch der Gewalt, die eine Begegnung in Offenheit zwischen Israelis und Palästinensern verhindern. Aber es gibt auch nicht wenige Menschen, Einzelne und in Gruppen, die angefangen haben, diese Steine ins Rollen zu bringen und sie so aus dem Weg zu räumen. Ein Beispiel dafür ist unser Projekt "Jerusalem Link": Hier versuchen wir durch Workshops und Seminare zunächst in getrennten Gruppen auf der israelischen und palästinensichen Seite
Frauen zu unterstützen, dass sie die eigene Situation und die Situation der anderen besser verstehen, um dann in gemeinsamen Seminaren den Mut und die Kraft zu finden, die andere Sichtweise und Bewertung anzuhören und zu akzeptieren. Denn dies ist die unbedingte Voraussetzung für eine Begegnung.

Frage:
Welche Beziehung besteht zwischen der Situation in Israel/Palästina heute und der biblischen Erzählung von den Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gehen?

Sumaya Farhat-Naser:
Auch bei uns gibt es diese zerstörerische Erfahrung des Todes: Gerade auch und durch den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Oft und immer wieder wurde ich durch die täglichen Erfahrungen der Besatzung und die damit verbundene Demütigung von Menschen zutiefst erschüttert. Dann drohte der Traum von einem friedlichen Miteinander an der alltäglichen Erfahrung der Gewalt zu zerbrechen. Doch daneben gab und gibt es auch die zarten Ansätze von Verständigung, meine eigene innere Stimme, die sagt:
Wir Frauen dürfen nicht schweigen und tatenlos zusehen, wo Unrecht geschieht. Wir sind verpflichtet, an der Gestaltung der politischen und sozialen Zukunft mitzuwirken und die uns eigenen Fähigkeiten und Talente, um Barrieren zwischen Menschen abzubauen dafür einzusetzen. Auf Grund dieser inneren Überzeugung, die stark geprägt ist durch meine eigene Familie und durch die christliche Tradition, in der ich groß geworden bin, habe ich zusammen mit anderen Palästinenserinnen den Kontakt zu israelischen Frauen gesucht. Auf dieser Basis, der zunächst verbotenen Kontakte, beruht auch unser Projekt "Women Advocating for Peace", in dem sich beide Seiten, israelische und palästinensische Frauen für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft einsetzen.

Frage:
Sumaya, durch den Stein, der aus der Nähe von Betlehem zu uns nach Deutschland
gekommen ist, ist ein Band geknüpft worden zwischen den Frauen bei euch und den Frauen hier. Welche Wünsche möchtest du den Frauen in Deutschland, die diesem Stein begegnen werden, mitgeben?

Sumaya Farhat-Naser:
Als ich bei uns den Frauen von eurer Aktion erzählt habe, waren sie sehr berührt und zugleich erstaunt darüber, wieviele Gemeinsamkeiten sich in der Lebenssituation von Frauen bei uns und hier bei euch finden lassen, wenn es darum geht, Leben trotz aller Erfahrungen des Todes möglich zu machen. Ich möchte dem Stein und allen Frauen, die ihm im Laufe der Zeit begegnen, diese Wünsche mitgeben:
Ich wünsche, dass Sie gemeinsam mit anderen den Mut und die Kraft finden, die Steine, die hier im Weg liegen wahrzunehmen, sie auszuhalten und zugleich beständig nach Möglichkeiten zu suchen, diese Steine zumindest ein Stück zu bewegen und damit aus dem Weg zu räumen.

 

Barbara Viehoff
Referentin in der Frauenseelsorge im Erzbistum Hamburg



Kontaktadresse:

Referat Frauenseelsorge
im Erzbischöflichen Generalvikariat,
Danzigerstr. 52a, 20099 Hamburg,
Tel: 040 / 24877-270/1/7

Wer wird den Stein wegrollen?