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"Stein-Zeit" in Duisburg
vom 15. bis 30. September 2000
- ein Rückblick über Veranstaltungen der
Frauenseelsorge im Bistum Essen

 

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Nein, es war kein Zurück in die Steinzeit, zu verkrusteten und "versteinerten" Lebensbedingungen von Frauen, auch wenn es die politisch notwendige Erinnerung daran bei der einen oder anderen Veranstaltung im Rahmen des Projektes der Frauenseelsorge "Wer wird den Stein wegrollen?" im Bistum Essen gab.
Nein, die "Stein-Zeit" in Duisburg war viel mehr eine Zeit des Aufbruchs und der Befreiung, ausgehend von der Botschaft im Markus-Evangelium:
"Er ist auferstanden."
Frauen machten diese Erfahrung persönlich oder als Gruppe bei den verschiedenen Veranstaltungen; z.B. bei der Auftaktveranstaltung "Steintot? Nein, wir leben!" Die tänzerische Enthüllung des Steins ließ schon gleich zu Beginn der "Stein-Zeit" erahnen, dass Auferstehung manchmal mitten im Tag auf der "Baustelle" des eigenen Lebens, im Leben mit vielen anderen Frauen und Männern geschieht. Der Auftritt einer Frau als Maria von Magdala, die von ihrer Begegnung mit Jesus erzählte, machte die ZuschauerInnen nachdenklich und gespannt. Aus "Steinhaufen" errichteten die Tänzerinnen Tische, auf die Wein und Brot gestellt wurden. So entstand Bewegung unter der buntgemischten Gästeschar, es wurden Gespräche an den Tischen geführt und immer wieder auf die manchmal melancholische, aber dann auch wieder heitere Musik der Gruppe "Di grine Kuzine" aus Berlin gehört.

Der "Stein" aus Israel mitten in Duisburg auf dem Wieberplatz, auf einem Platz, der für den Strukturwandel im Ruhrgebiet steht, faszinierte seitdem die Frauen: z.B. bei den täglichen Meditationen beim "Atem holen am Stein". Frauen erkannten für sich persönlich oder für Frauen in Kirche und Gesellschaft, dass die Kraft zur Veränderung aus dem Glauben an die österliche Botschaft und auch aus der unbedingten Solidarität von Frauen für Frauen erwächst.

Dies wurde eindrucksvoll sichtbar und erlebbar, als ca. 500 kfd-Frauen aus dem gesamten Bistum Essen sich zur "Abendwallfahrt" trafen. Sie alle hatten sich zum "Stein" aufgemacht mit den Fragen "Wer rollt uns den Stein des Hasses, der Armut, der Krankheit, der Verkrustung und Erstarrung, der Arbeitslosigkeit weg?" An markanten Stellen um den "Stein" am Wieberplatz, z.B. an der alten Duisburger Stadtmauer oder in der Nähe der Synagoge bedachten Frauen diese Fragen. Ihre Antworten brachten sie beim Wortgottesdienst am "Stein" und in die anschließende Eucharistiefeier ein, zur gegenseitigen Ermutigung.

Der "Stein" aus Israel bewegte in Duisburg Frauen und Männer z.B. bei der Anfertigung eines Fußbodenmosaikes im Eingang des Katholischen Stadthauses. Unter Anleitung des Künstlerpaares Güllenstern/Kuhn legten sie ihren "Stein" in den Fußboden, der sie an verschiedene Stationen, z.B. überstandene Krankheiten, Ängste und Verluste in ihrem Leben erinnerte. Ein Fußbodenmosaik, ein "neuer Weg", gepflastert aus Steinen, die Men-schen aus ihrem Lebensweg geräumt haben, wird so eine bleibende Erinnerung an die "Stein-Zeit" in Duisburg.

Manche "Steine" im Leben der Frauen und Männer werden liegen bleiben oder sind jetzt noch nicht ganz wegzurücken, oder vielleicht nur ein kleines Stück. Das wurde z.B. deutlich in einem Gespräch zwischen christlichen und muslimischen Frauen. Der Austausch über "Engel" führte dazu, die Religion und die damit verbundene Lebensweise der anderen Frauen näher kennenzulernen. Der neugesponnene Gesprächsfaden wurde weiter geknüpft - über die "Stein-Zeit" hinaus.

Ein "Stein" aus Israel - im Mittelpunkt der Begegnungen und Gespräche von Frauen und Männern im Anschluss an den Film "Truman-Show" oder beim Bemalen von "Steinen" unter spiritueller Anleitung des Malers H. Hunecke oder aber beim Gespräch mit der Bürgermeisterin von Dinslaken - warf Fragen nach dem persönlichen Leben, aber auch immer wieder nach den Leben von Frauen weltweit auf, die heute noch nicht zufrieden-stellend beantwortet werden können. Aber in den Gesprächen wurden Anstöße gegeben, die jede(r) für sich oder in der Gruppe und in Verbänden aufgreifen kann, um daran mitzuarbeiten, die "Hindernisse" aus dem Weg zu räumen, die Gerechtigkeit und Freiheit besonders für Frauen jetzt noch weltweit verhindern.

Die Faszination des "Steins" erspürten viele und wollten ihn nicht mehr loslassen - so geschehen beim bewegten Abschlussgottesdienst, in dem auch der "Stein" verabschiedet wurde. An einem strahlenden Herbsttag erschien selbst der "Stein" noch schöner, als Frauen und Männer in einem weiten Kreis um ihn herum ihre Deutungen zur Frage "Wer wird uns den Stein wegrollen" am Ende einer feministischen Bibelwerkstatt einander weitersagten: tänzerisch, instrumental, mit Bildern und Frauen-Lebens-Gedichten. Auch Sumaya Farhat-Naser, die Initiatorin des Frauenfriedensprojektes in Palästina, war per Foto mit am "Stein", um diese gemeinsam erlebte Überzeugung auch nach der "Stein-Zeit" in Duisburg immer wieder wirksam werden zu lassen:
"Manchmal feiern wir mitten am Tag, mitten im Streit, mitten im Tun ein
Fest der Auferstehung ... ."

Mechtild Jansen

 


Kontaktadresse:
Mechtild Jansen
Bischöfliches Generalvikariat
Referat Frauen
Zwölfling 16, 45127 Essen
Tel: 0201 / 2204247, Fax: 0201 / 2204618

Wer wird den Stein wegrollen?