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 St. Gertrud, Alexanderdorf

 " ... wenn sie nicht reden, werden die Steine schreien"

Ökumenische Wallfahrt nach Alexanderdorf Abtei St. Gertrud (Benediktinerinnen)

Samstag, 7.4.2001


Als allerletzte Station vor Kloster Helfta sollte der Stein in Alexanderdorf nur ruhen.
Seine Ruhe bei uns rührte etwas bei uns an und sprach für sich ... Und sein Schweigen sprach für sich ... Bisweilen schrie sein Schweigen ...

Ein anderes Bild für das Kommen des Steines drückte sich im heftigen Wintereinbruch aus, obwohl dem Kalender nach schon Frühling sein sollte. Doch bei seinem Ruhen ließ der Frühling sich nicht mehr aufhalten:

Die ökumenische Wallfahrt von Sperenberg zum Stein in Alexanderdorf war so ein Zeichen des Frühlings mit einer unerwartet großen Anzahl von Beteiligten aus Berlin und aus unserer Umgebung.

Vor Palmsonntag bot sich treffend das Thema an: "Wenn sie nicht reden, schreien die Steine!"
Im gemeinsamen Gottesdienst wurde das Schreien der Steine zur Stimme durch Klänge, durch vorgetragene Anliegen der Frauen, durch Bitten und durch Gesänge. Um zu "begreifen" und als bleibende Erinnerung durften sich alle ein kleines Stück Stein vom Bruchwerk des hergestellten Grabsteines aus der Kölner Dombauhütte mitnehmen. Es sollte auch ein bleibendes Zeichen der Verbundenheit miteinander und mit den Menschen im Heiligen Land sein, die gerade jetzt unsere Solidarität brauchen.

 Loch in der Mauer

Foto:

Loch in der Mauer des ehemaligen russischen Militärlagers auf dem Wallfahrtsweg nach Alexanderdorf

 

Als wir auf der Wallfahrt nach Alexanderdorf Station an der Betonmauer eines riesigen ehemaligen russischen Militärgeländes machten, zeigte uns die Geschichte mit der Amsel, dass Steine weggerollt und Mauern aufgebrochen werden können, dass Gottes Kraft sich in dem kleinen und Schwachen erweist:
Die Tat der Amsel
"Jemand schrieb in sein Tagebuch: Als ich 14 Jahre alt war, beobachtete ich, wie eine Amsel in einem Holunderbusch saß und Beeren fraß. Gesättigt flog sie zur Mauer und strich mit dem Schnabel einen Samen in das Mauerwerk ab.
Ich war vierzig, da sah ich: auf der geborstenen Betonmauer wuchs ein Holunderbusch. Die Wurzeln hatten die Mauer gesprengt. Ein Riß klaffte in ihr, bequem zu durchschreiten. Mit einem Stein ritzte ich in die Mauer: Die Tat der Amsel. Ein winziger Vogel läßt ein noch winzigeres Samenkorn fallen, und daraus entsteht ein Baum, dessen Wurzeln Mauern und Beton sprengen ..."

Sr. Christiane Winkler

   

"Wenn wir nicht reden, werden die Steine schreien"
Ökumenische Wallfahrt nach Alexanderdorf

Am 7. April 2001 begaben sich ca. 270 Frauen und Männer auf den Weg nach Alexanderdorf, dem Benediktinerinnenkloster südlich von Berlin, wo der Stein nach den Stationen in der Hauptstadt seinen letzten Ort vor Helfta hatte. Der Ausspruch Jesu "Wenn sie (die Jünger) schweigen, werden die Steine schreien" begleitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Wallfahrt begann in der evangelischen Kirche in Sperenberg. Dort erinnerte uns eine Gruppe von Frauen an die Steine, die uns in unserem Leben begegnen, die wir uns selber in den Weg legen, Steine des Schicksals und Steine der Hoffnung.

Auf dem Fussweg nach Alexanderdorf kamen wir an der Betonmauer des ehemaligen russischen Militärgeländes vorbei, einer langen Mauer, die jetzt den Zutritt zu diesem Gelände versperrt, denn das Begehen wäre lebensgefährlich. Diese Steine erinnern uns daran, wie sehr wir Menschen die Natur verwundet haben. Die nächste Station führte uns an einen See. Wir erinnerten uns an die Kraft des Wassers, die den Stein verwandeln kann.

Den Höhepunkt und Abschluss der Wallfahrt bildete der ökumenische Gottesdienst in der Klosterkirche. Wir haben uns ansprechen lassen durch Musik und Texte und sind dadurch Steinen begegnet, die wir schon gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie uns so alltäglich und so allgegenwärtig erscheinen. Wir haben die Steine schreien gehört, weil wir meist schweigen, wenn Rechtsradikale Hassparolen verbreiten und Menschen verletzen. Wir hörten die Steine schreien, weil wir uns nicht genügend einmischen, wenn Kindern Gewalt angetan wird. Wir hörten die Steine schreien, weil wir hilflos der hohen Zahl der Arbeitslosen gegenüber stehen. Wir hörten die Steine schreien, weil wir nicht wissen, wie wir die Ausländer, die in unserem Land Schutz und Geborgenheit suchen, vor der Abschiebung bewahren können. Wir hörten die Steine schreien, weil auch in unserem Land Mädchen und Frauen beschnitten werden und dieses Problem auch uns etwas angeht. Wir wissen, dass wir nicht alle Steine sofort und auf einmal aus dem Weg räumen können. Und so haben wir auch über persönliche Stolpersteine nachgedacht, Steine, die uns im Weg liegen und uns den Weg zu anderen versperren. Symbolisch haben wir Steine aus Papier dem Feuer und mit dem aufsteigenden Rauch Gott übergeben.

Angelika Streich
Leitungsteam der kfd im Erzbistum Berlin, Öffentlichkeitsarbeit




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Wer wird den Stein wegrollen?