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 Mk16, 1-8

 Das Projekt

Der Stein

Der Stein in Helfta

Weg des Steins

Impuls der Woche

12 Frauen der Kirche

Partnerinnenprojekt


Impressum


Grafik: Resi Borgmeier

 "Wer wird den Stein wegrollen?"


Projektbeschreibung




"Wer wird den Stein wegrollen?" war die Leitfrage des bundesweiten Projekts, das die Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz und die Diözesanstellen Frauenseelsorge zum Heiligen Jahr 2000 durchführten. Im Mittelpunkt stand ein Stein von 1,40 m Durchmesser aus einem Steinbetrieb in der Nähe von Bethlehem. In seiner Form ist er den Rollsteinen nachempfunden, wie sie zurzeit Christi häufig vor Gräber gewälzt wurden, um diese zu verschließen. In den Stein der Frauenseelsorge ist die Frage eingemeißelt: "Wer wird den Stein wegrollen?". Zwischen Ostern 2000 und Ostern 2001 machte dieser Stein an 30 Orten Station. Dabei legte er ungefähr 6.200 km zurück. Die Frauenseelsorge-Stellen der Diözesen boten an den jeweiligen Orten zu der Leitfrage des Projekts Veranstaltungen mit dem Stein an, häufig in enger Kooperation mit Frauenverbänden, an zahlreichen Orten ebenfalls in ökumenischer Zusammenarbeit. Außerdem wurde der Stein in Klöstern verschiedener Ordensgemeinschaften zum Kristallisationspunkt für geistliche Gespräche.

Der Auftakt des bundesweiten Projekts war Ostermontag, 24. April 2000 im Domforum Köln. Ostern 2001 wurde der Stein im Areal des Klosters Helfta bei Magdeburg dauerhaft aufgestellt, einem Ort mittelalterlicher Frauenmystik, an dem Cistercienserinnen leben.

Die Inschrift des Steins "Wer wird den Stein wegrollen?" erinnert an die Frage der Frauen auf dem Weg zum Grab Jesu am Ostermorgen, die vom Evangelisten Markus überliefert wird (Mk 16,1-8). Zwischen Leid und Auferstehung, dies ist das Spannungsfeld, in dem sich die Frauen im Markus-Evangelium bewegten.

Auch heute machen Frauen die Erfahrung, dass es einen "Stein" gibt im persönlichen Leben, in der Gesellschaft, in der Kirche und zwischen Kulturen und Religionen - einen Stein, der unüberwindbar zu sein scheint. Diese Erfahrung bedrückt, lähmt, lässt manchmal am Lebenssinn und am Glauben zweifeln. Der Stein aus der Nähe Bethlehems, der durch Deutschland wanderte, symbolisiert in seiner Härte das Hindernis, das den Zugang zur befreienden Erfahrung versperrt. Gerade durch die Präsenz dieses schweren Steines bekommt die Frage "Wer wird den Stein wegrollen?" das entscheidende Gewicht. Denn in der Konfrontation mit diesem Stein lässt sich unmittelbar erfahren, dass sich in und durch Versteinerungen hindurch das Leben neu eröffnen kann. Der Stein aus dem Land der Bibel, der rückverweist auf die Ostererzählung der Evangelien, ist ein Zeichen dafür, dass es gerade auch im Ringen um die im eigenen Leben erfahrenen "Steine" möglich ist, sich immer wieder neu als Erlöste zu begreifen.

Das Versprechen, das die Erzählung des Markus-Evangeliums in sich birgt, ist: Es gibt Befreiung, die jegliche Erstarrungen überwindet. Indem die Frauenseelsorge diesen ca. 1000 kg schweren Stein von Ort zu Ort weiterbewegte, gibt sie der Überzeugung Ausdruck, dass versteinerte Situationen wieder in Bewegung geraten werden. In der Konfrontation mit diesem Stein und mit den "Steinen", die das Leben von Frauen beschweren - im Hinsehen, im Benennen, im Klagen und Anklagen, im Beten, im Wünschen und im gemeinsamen Handeln - haben Frauen in den Veranstaltungen das ihnen Mögliche getan, um "Steine" in Bewegung zu bringen.

Dieses Kräftepotential, das Frauen in der Begegnung mit dem Stein freisetzen konnten, entfaltete sich nicht nur an konkreten Orten, sondern auch im virtuellen Raum des Internet. Zwischen Ostern 2001 und Pfingsten 2001 gab es zusätzlich die Möglichkeit der Begegnung mit dem Stein in der Kirche der virtuellen Stadt "funcity", wo unter anderem zwei Chats mit Verantwortlichen des bundesweiten Projekts stattfanden. Im Zusammenhang mit dem virtuellen Stein der Frauenseelsorge in der "funcity"-Kirche gab es auch die Möglichkeit, in ein Fürbittbuch Gedanken, Gebete und Fürbitten hineinzuschreiben, welche die Schwestern des Klosters Helfta sodann in ihre Gottesdienste mit hineinnahmen.

In den Veranstaltungen des Projekts wurde um Unterstützung für das Projekt "Women Advocating for Peace" gebeten. "Women Advocating for Peace" dient der Verständigung zwischen palästinensischen und israelischen Frauen, zwischen Jüdinnen, Christinnen und Musliminnen im Nahen Osten.

Wer wird den Stein wegrollen?