12 Frauen der Kirche


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12 Frauen der Kirche


Zwischen Ostern 2000 und Ostern 2001 sagt jeden Monat eine Verantwortliche der Frauenseelsorge der deutschen Diözesen, was die Frage auf dem Stein für sie bedeutet.

 

 

 

im Monat Dezember:


Karolina Kammerl, Diözesanreferentin der Frauenseelsorge im Bistum Regensburg

Karolina Kammerl

Bei meinem Urlaubsbeginn lagen mir etliche Steine im Magen: "Der Stein", der unsere Diözese im Dezember besuchen wird, dieser Artikel fürs Internet und einige ungelöste Probleme so ganz nebenbei. Erholung suchte ich beim stundenlangen Sitzen am Meer. Ich liebe das Meer und genieße das immerwährende Rollen der Wellen. Berge dagegen mag ich nicht so besonders. Ihre Massivität und Unbewegtheit bedrücken und erdrücken mich. Erstaunlicherweise riefen die Berge an der Küste dieses Gefühl bei mir nicht hervor. Ich beobachtete, wie sich das Wasser mal sanft, mal heftiger, aber stetig und unermüdlich gegen das steinige Ufer bewegte. Was dieses ausdauernde Tun bewirkt, ist deutlich an den bizarren, ausgewaschenen Felsformen der Klippen zu erkennen. Der Stein und seine zur Schau gestellte Härte und Standhaftigkeit müssen letztlich vor dem Wasser und seiner Macht klein beigeben. Sicher dauert es, sicher ist der Erfolg nicht gleich erkennbar und messbar. Aber die Steine vor den Gräbern damals und heute haben nicht das letzte Wort. Die Frauen am Grab Jesu hatten sich aus der Versteinerung der Trauer heraus in Bewegung gesetzt und fanden den Stein weggewälzt, trotz seiner Größe und seines Gewichts. Die Felsen an der Küste haben keine Chance, denn die Kieselsteine zeigen das erfolgreiche Werk des Wassers, der Bewegung gegen alle Unbeweglichkeit. Das macht mir Mut bei all den Steinen, die mir im Magen oder auf meinem Weg liegen: Sie können mich nicht aufhalten, wenn ich nicht selbst zu Stein werde, verhärte, sondern wenn ich beweglich, auf dem Weg, in Bewegung bleibe wie das Wasser, mit Geduld, Sanftmut, aber ab und zu auch mit Wut und Kraft.

 

Wer wird den Stein wegrollen?