12 Frauen der Kirche - Juni


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12 Frauen der Kirche


Zwischen Ostern 2000 und Ostern 2001 sagt jeden Monat eine Verantwortliche der Frauenseelsorge der deutschen Diözesen, was die Frage auf dem Stein für sie bedeutet.

 

Veronika Pielken

Foto: Resi Borgmeier
im Monat Juni:

Veronika Pielken,
Leiterin des Referates Frauenseelsorge
im Erzbistum Hamburg

"In mir gibt es einen ganz tiefen Brunnen. Und darin ist Gott. Manchmal ist er für mich
erreichbar. Aber oft liegen Steine und Geröll auf dem Brunnen und dann ist Gott begraben. Dann muss er wieder ausgegraben werden."
*

Die jüdische "Gottsucherin" Etty Hillesum schrieb diese Sätze 1941 in ihr Tagebuch. 1943 kam sie in Auschwitz ums Leben.

Gott wieder ausgraben - ein ungewöhnlicher Gedanke, herausfordernd: Ich werde auf mich selbst zurückgeworfen.
Ich grabe und begegne meinen Ängsten, meiner Verzagtheit, meiner Trauer...Steine,
die mir auf der Seele liegen. Indem ich die Steine anfasse, anschaue, mit ihnen umgehe, verändern sie sich und geben Wege frei.
Ich grabe und entdecke meinen Mut, meine Zuversicht, meine Freude...

Ausgraben: mich einlassen auf mich selbst in der Zuversicht, dass Gott mir auf
diesem Weg entgegenkommt.

*aus: Das denkende Herz, Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943,
Reinbek 1998, herausgegeben von J.G. Gaarlandt, Seite 52


Wer wird den Stein wegrollen?